Blog-Archiv 2014
Temperatur Januar 2014 in Stuttgart
Februar 2014: Alle Zargen zur Erweiterung der Bienenwohnungen sind gesäubert und Mittelwände sind in neue Rähmchen eingelötet. Alles steht bereit für den Start in den Frühling. In Südtirol gibt es dieses Jahr mehr als genug Schnee. Deshalb gönnt sich der Imker einige Tage Skiurlaub mit dem Skiclub Aichtal am Kronplatz und der Sella Ronda in den Dolomiten. Wunderschön!!! Unseren Bienen geht es nach wie vor gut. Sie nutzen jeden wärmeren Tag um auszufliegen und Pollen einzutragen. Den Pollen brauchen sie, um ihre Brut füttern zu können. Bis Mitte März sterben immer noch viele Winterbienen und jedes Volk schrumpft normalerweise über den Winter. Erst danach werden wieder mehr Bienen geboren und die Völker werden wieder größer.
Bienenflug im Februar Der Langkofel auf der Sella Ronda in den Dolomiten
März 2014: Es ist nach wie vor sehr warm für die Jahreszeit. Die ersten Krokusse und Haseln blühen. Auch unsere Bienen nutzen die Zeit und brüten kräftig. Am 09. März, bei schönstem Wetter machen wir die erste Durchsicht der Völker. Alle haben ungefähr 4 Waben, beidseitig mit Brutflächen die ca. 50% der Wabe bedecken. Somit also keine Winterverluste und in allen Völkern ist noch viel Futter vorhanden. Da schlägt das Imkerherz höher! Wenn die Volksentwicklung und das Wetter so weiter machen, dann gibt es dieses Jahr ein sehr gutes Honigjahr. Dieses Frühjahr sind die Bienen allgemein ziemlich wehrhaft und mögen es nicht immer, wenn der Imker in ihr Wohnzimmer rein schaut. Da gibt es doch so manchen Stich und man muss als Imker schon mal ein Auge zudrücken :-).
Wabe am 09. März 2014
April 2014: Das schöne Wetter hält an und sowohl die Bienenvölker als auch die Natur entwickeln sich prächtig. Das große Blühen setzt ein und die Pflanzen sind einen Schritt schneller als unsere Bienen. Mitte April blüht fast alles gleichzeitig: Apfelbäume, Raps, Löwenzahn. Dies sind die Pflanzen von denen Bienen den meisten Nektar eintragen. Das Wetter ist zwar sehr schön, aber leider noch etwas zu kühl und viel zu trocken. Ohne genügend Wasser blühen Pflanzen zwar, bilden jedoch relativ wenig Nektar. Im Raps sind kaum Bienen unterwegs, Bäume haben tiefere Wurzeln und kommen leichter an das wertvolle Wasser heran. Auch Bienen benötigen natürlich dringend Wasser. Hier in Aich ist das kein Problem, nur wenige Meter vom Bienenstand entfernt fließt ein kleiner Bach. In Neckartailfingen jedoch ist Wasser weit entfernt. Deshalb wird hier Ende April eine Bienentränke installiert. Eine große Plastikschale wird mit Moos bedeckt und mit Wasser gefüllt. Das Moos ist sehr wichtig, damit die Bienen im Wasser nicht ertrinken. Langsam füllen sich die Honigräume und bei einigen Völkern wird tatsächlich eine zweite Zarge für Honig nötig. In der letzten April-Woche kommt dann der lang ersehnte Regen. Leider ist dies jedoch auch das Ende des großen Blühens. Man kann gespannt sein, wie lange das schlechte Wetter nun anhält und wieviel Honig dann noch zum Schleudern übrig bleibt.
Die Bienentränke Bienen in Neckartailfingen
Mai 2014: Das Wetter wird wechselhafter. Der Mai wird zum April des Jahres 2014. Es blüht nicht mehr so viel und die Honigräume leeren sich wieder etwas. Wir können jedoch nicht sofort schleudern. Erst muss der eingetragene Honig von den Bienen noch gepflegt werden. Der Wassergehalt muss sinken. Wenn der Wassergehalt unter 18% gefallen ist, kann geerntet werden. Erst dann ist der Honig länger haltbar und es besteht nicht mehr die Gefahr, dass er zu gären beginnt. Also erstmal warten... Bereits Ende April haben wir begonnen einen Sammelbrutableger (SBA) zu bilden. Aus fast allen Völkern werden ein bis zwei Brutwaben entnommen und in eine eigene Beute gestellt. Dann wird eine “Zuchtrahmen” (siehe Bild) eingesetzt und so werden Königinnen herangezogen. Dieses Jahr bekomme ich den Zuchtstoff von einem befreundeten Imker aus Kirchheim. Es ist immer gut, etwas frisches Blut am Bienenstand zu haben. Aus den Königinnen werden Ableger erstellt. Am letzten Mai-Wochenende ist es dann soweit. Wir können etwas Honig schleudern und die neue Honigschleuder kommt zum Einsatz.
Zuchtrahmen zur Königinnenzucht
Juni 2014: Die erste Honigernte 2014 war erfolgreich. Der in großen Eimern abgefüllte Honig muss jetzt einige Tage ruhen. Beim Schleudern wird der Honig durch ein Grobsieb und ein Feinsieb gefiltert. Trotzdem kommen noch kleinste Wachsteilchen in den Honig. Diese Wachsteilchen kommen in der Ruhephase an die Oberfläche und werden nach ein paar Tagen abgeschäumt. Dieses Jahr gibt es einen Rapsanteil im Honig, deshalb beginnt er recht schnell zu kristallisieren. Wenn man den noch flüssigen Honig in Gläser abfüllt, entstehen im Glas relativ grobe Kristalle und möglicherweise wird der Honig sehr hart. Deshalb rühren wir den Honig und zerschlagen quasi die groben Kristalle in feinere Kristalle. Dies soll bewirken, dass der Honig cremig wird und bleibt. Trotzdem bieten wir zwei Honigsorten zum Kauf an: Frühjahrsblüte cremig (unser cremig gerührter Honig) und Frühjahrsblüte naturbelassen (komplett unbehandelt, zunächst flüssig, wird dann im Glas fest). Wer stets flüssigen Honig möchte, kann das Glas für einige Zeit in ein warmes Wasserbad stellen, und der Honig wird wieder flüssig. Um alle Enzyme des Honigs zu erhalten, sollte die Temperatur des Wasserbades nicht wesentlich höher als 40 Grad sein.
Hummel am Rittersporn
Juli 2014: Am 26.07.2014 fand die zweite und letzte Honigernte in diesem Jahr statt, diesmal als “öffentliches Schleudern” im evangelischen Gemeindehaus Neckartenzlingen. Eine kleine aber höchst interessierte Gruppe kam dort zusammen und stellte viele Fragen, die den Lebenszyklus eines Bienenvolkes über ein Jahr fast abdeckten. Die Teilnehmer durften sich im Entdeckeln der durch Wachs verschlossenen Honigwaben versuchen, konnten sich selbst mit einem Blick durch das Refraktometer vom richtigen Wassergehalt des Honigs überzeugen und schließlich den Schleudervorgang beobachten und den goldgelb schimmernden Honig, der aus der Honigschleuder floss, bestaunen. Natürlich blieb es nicht nur beim Anschauen des Honigs. Der Ernte folgte sogleich der Verzehr eines leckeren Honigbrotes und jeder konnte den deutlichen Unterschied zwischen der gerade geernteten “Sommerblüte” und der “Frühlingsblüte” vom Vormonat schmecken.
Öffentliches Schleudern in Neckartenzlingen
August 2014: Allgemein war das Honigjahr 2014 in Süddeutschland ein sehr schlechtes Jahr. Die extremen Wetterphasen mit lang anhaltendem Regen und danach langen Trockenphasen wechselten sich ab. Dies ist für Bienen sehr schlecht, denn im Regen können sie nicht ausfliegen und bei längerer Trockenheit produzieren die Pflanzen nur sehr wenig Nektar. Auch unsere Völker hatten im Schnitt pro Volk nur relativ wenig Honig. Dadurch jedoch, dass wir bereits letztes Jahr die Anzahl unserer Völker von 5 auf 12 gesteigert hatten, haben wir dieses Jahr trotzdem genug Honig geerntet, um alle Kunden beliefern zu können. Auf den Fotos links sieht man deutlich die farblichen Unterschiede zwischen dem Frühlingsblüten- und dem Sommerblütenhonig (rechts). Die Frühlingsblüte bieten wir “naturbelassen” (Mitte) und “cremig” an (ganz links; siehe dazu auch  Erläuterungen vom Juni 2014). Obwohl es sich ja um den gleichen Honig handelt, sieht man auch hier einen geringen farblichen Unterschied. Die Kristalle im cremigen Honig sind erheblich kleiner und reflektieren das Licht deswegen auch anders. Der Honig wirkt etwas heller.
Früh-Creme, Früh-Naturbelassen, Sommerblüte Früh-Creme, Früh-Naturbelassen, Sommerblüte
September 2014: Die im Mai gebildeten Ableger sind gut herangewachsen und werden nun Jungvölker genannt. Hier ein Bild vom Standort Neckartailfingen. In einigen unserer Wirtschaftsvölker sind die Königinnen schon ziemlich alt. Deshalb werden einige der Jungvölker genutzt, um die alten Königinnen auszutauschen. Dies geschieht indem die Jungvölker den Wirtschaftsvölkern aufgesetzt werden, oder die Waben in die Wirtschaftsvölker eingehängt werden. So werden diese Völker vor dem Winter gestärkt und bisher akzeptieren die Bienen ihre neue Königinnen sehr gut. Da wir unsere Imkerei nicht mehr vergrößern möchten, geben wir noch ein Jungvolk an einen befreundeten Imker ab.
Standort Neckartailfingen
Oktober 2014: Bereits im September wurden die Völker “aufgefüttert”. Da wir den Bienen ihren gesammelten Honig weggenommen haben, bekommen sie Zuckerwasser als Ersatz. Je nach Volksgröße werden zwischen 15 und 22 kg Zucker, gelöst in Wasser gefüttert. Bienen dicken das Zuckerwasser wieder ein und lagern es in ihren Vorratswaben ein. Jetzt im Oktober wird es Zeit, dass auch die letzten Nachzügler ihre erforderliche Vorratsmenge einlagern. Dies kontrollieren wir, indem wir jedes Volk wiegen. Mit einer Kofferwaage wiegen wir die linke und die rechte Seite und errechnen aus den beiden Werten das Gesamtgewicht. Davon wird nun das Gewicht der Zargen, Rähmchen, Wachs und Bienen abgezogen wodurch wir wissen, über wieviel Futter die Bienen verfügen.
Bienen beim Futtern
November 2014: Im November ist es ruhig. Wie das ganze Jahr über schon stimmt das Wetter nicht. Es ist viel zu warm. Ansonsten bildet unser naturbelassener Honig (also nicht cremig gerührt) Blüten aus: Zwischen Honig und Glaswand ergeben sich weiß gefärbte Bereiche. Dieses wird vom Imker als „Blütenbildung“ bezeichnet. Bei allen kristallisierenden Honigen kann es zu diesem Phänomen kommen. Die Ursache liegt darin, dass bei der natürlichen Kristallisation das im Honig vorhandene Wasser zwischen den Glukosekristallen gebunden wird und so viele kleine Hohlräume entstehen. Ist der Wassergehalt im Honig sehr gering, können diese winzigen Hohlräume nicht mehr mit Wasser gefüllt werden. Durch die dann eingelagerte Luft wird das sonst unsichtbare Kristallgerüst durch Lichtbrechung für uns sichtbar - es entstehen weiße „Blüten“. Ein geringer Wassergehalt im Honig ist ein Zeichen von Qualität und so ist die Blütenbildung im Honig ein positives Qualitätsmerkmal. Auch wenn der Honig qualitativ sehr gut ist, sieht es natürlich nicht schön aus. Deshalb kommt der bereits abgefüllte und noch bei uns gelagerte Honig nochmal in den großen Eimer und wird cremig gerührt.
Blütenbildung
Dezember 2014: Es ist immer noch viel zu warm. Das Bild links ist vom 13. Dezember. Es ist bis zu 15 Grad warm und die Bienen fliegen fast wie im Frühling. Einige wenige bringen sogar Pollen mit nach Hause. Auf dem Bild sieht man auch sehr gut das angebrachte “Mäusegitter”. Es soll verhindern, dass sich Spitzmäuse im Winter in den Bienenwohnungen einquartieren. Weihnachten und Silvester nähern sich mit großen Schritten. Uns und unseren Bienen geht es sehr gut, wofür wir auch sehr dankbar sind. Wir wünschen allen unseren Verwandten, Freunden, Bekannten und Kunden ein frohes, geruhsames und erholsames Weihnachtsfest und viel Kraft, Freude und Gesundheit für das Neue Jahr! Übrigens: Auch dieses Jahr gibt es wieder einen bärigen Adventskalender, gestaltet durch unsere nette Nachbarschaft, den Kellners. Einfach zum Genießen und Träumen, mit vielen guten Tips: www.baerbara.de
Bienenflug im Dezember
Januar 2014: Dieses Jahr will sich kein so richtiger Winter einstellen. Die Temperaturen sind meist zwischen -4 und 10 Grad. Eigentlich ganz gut für unsere Bienen, nur verbrauchen sie bei warmen Temperaturen mehr von ihrem eingelagerten Winterfutter, weil sie mehr brüten als bei kalten Temperaturen. Deshalb ist jetzt alle paar Wochen eine Gewichtskontrolle angesagt um zu prüfen, ob sie noch genug Futter haben. Falls es knapp wird, müssen wir evtl. Futterwaben umhängen oder bei wärmeren Temperaturen noch etwas zufüttern. Ich bin aber recht zuversichtlich, dass das Futter reichen wird, bis die Bienen im Frühjahr wieder genug Nektar finden.