Blog-Archiv 2012
Januar 2012 Winter und genügend Zeit um unseren Sonnenwachsschmelzer fertig zu bauen. Bereits letzten Herbst haben wir von einem bekannten Fensterbauer in Aichtal (Fenster Schwörer) eine alte, doppelt verglaste Fensterscheibe geschenkt bekommen. Dann haben wir ein bisschen im Internet recherchiert, einen Bauplan erstellt und das Material beschaft. Jetzt ist genügend Zeit, das Material zusammenzubauen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen (siehe Bild links). Mit dem Sonnenwachsschmelzer können wir dann anfallende alte Waben durch die Sonnenwärme einschmelzen. Das Bienenwachs wird dann gereinigt und für die Herstellung von Bienenwachskerzen oder neuen Mittelwänden verwendet. Jetzt fehlt also nur noch der Sommer. Vor Weihnachten haben wir bereits vier neue Beuten (Bienenwohnungen) bei den Werkstätten der Karlshöhe in Ludwigsburg bestellt. Sie werden dort von ehemals wohnungslosen und teilweise behinderten Menschen hergestellt und die Qualität der Beuten ist wirklich klasse. Ende Januar können wir die Beuten dann abholen. Schließlich wollen wir dieses Jahr ja noch etwas expandieren und weitere Ableger bilden. An den Bienenvölkern ist absolut nichts zu tun. Diese brauchen möglichst viel Ruhe.
Februar 2012 Es wird kalt, unter -20 Grad nachts, und das jetzt schon seit drei Wochen! Wenn die Bienenvölker stark genug sind, also die Anzahl der Bienen groß genug ist, dann ist dies kein Problem. Die Bienen können sich eng in der Wintertraube zusammenziehen. Die Flügel werden “ausgekuppelt” und mit ihren Flugmuskeln erzeugen die Bienen in der Traube eine Temperatur von ca. +25 Grad. Sollten Bienenvölker bereits Brut innerhalb der Wintertraube pflegen, so erzeugen sie sogar Temperaturen von +35 Grad. Einzig genügend Futter muss in erreichbarer Nähe sein. Die neuen Beuten müssen aussen gestrichen werden. Selbstverständlich mit ungiftiger, bienenfreundlicher Farbe auf Leinölbasis. Zur Kontrolle haben wir die “Windeln” (Kontrollbretter) unten in den Beuten eingeschoben. Bis jetzt sind noch alle drei Völker am Leben. Dies ist nicht selbstverständlich. Man spricht von ca. 30% Völkerverlusten diesen Winter. Am 12. Februar sind immer noch alle Völker am Summen. Im Inneren der Beuten ist unter den Innendeckeln eine Eisplatte und bei einem Volk hängen zwei kleine Eiszapfen im Einflugloch. 18. Februar: 7 Grad im Schatten, einiges mehr in der Sonne. Etliche unserer Bienen starten zu einem Reinigungsflug. Wirklich ein schönes Bild sie mal wieder fliegen zu sehen. Unser Imkerverein, der BV Filder, hat Jahreshauptversammlung. Es gibt auch einen Vortrag über “Völkerführung übers Jahr”.
Sonnenwachsschmelzer Eiszapfen in der Beute
März 2012 11. März: Hohenheimer Tag am Bieneninstitut der Uni Hohenheim. Es gibt interessante Vorträge der Doktorandinnen: Neue Methoden zur Ausbringung der Spritzmittel für Raps zur Reduzierung der Rückstände im Pollen. Können Wassertropfen Bienen umbringen? Neues aus der Guttationsforschung bei Mais und Raps. Propolis – Wo kommt es her, wie wird es verarbeitet? Wie können Sexualpheromone der Varroamilbe für eine biologische Bekämpfung verwendet werden? Invasionsdruck und Spätvermehrung der Varroa-Milben an Standorten mit hoher Bienendichte. Waldtracht: Rückschau 2011 und Aussichten für 2012. Bei genauerer Untersuchung unserer drei Völker gibt es eine böse Überraschung: Unser erstes Volk ist Weisellos. D.h. es hat keine Königin mehr. Leider haben Arbeiterinnen bereits angefangen Eier zu legen. Man nennt diese Arbeitsbienen dann “Drohnenmütterchen”, denn da die Arbeiterinnen ja nicht wie eine Königin begattet sind, wird aus ihren Eiern nur Drohnenbrut. Das Volk hat keine Chance mehr zu überleben. Wir kehren die Bienen ca. 20 m weit vom alten Standort von ihren Waben ab. Die flugfähigen Bienen betteln sich an der alten Position am Nachbarbienenvolk ein. Die Drohnenmütterchen können nicht weit fliegen und schaffen dies nicht. Am 16. März gibt es dann die gute Nachricht: wir holen abends das versprochenen Bienenvolk bei Herrn Keuler in Grötzingen ab. Es ist ein sehr gutes Volk, bereits auf zwei Zargen. Schon am nächsten Tag fliegen die Bienen sehr gut und tragen leuchtend gelben Pollen ein!
Abkehren des drohnenbrütigen Bienenvolkes Das Einbetteln der flugfähigen Bienen am Nachbarvolk
April 2012 Die Kirschen blühen, die Völker entwickeln sich prächtig, aber: Es ist leider immer noch viel zu kalt! Unsere Bienen können noch nicht richtig fliegen. Es gibt maximal ab und zu einen Tag mit 12 bis 15 Grad. Deshalb wird natürlich auch kein Nektar eingetragen. Im Gegenteil, die Völker verbrauchen ihre eisernen Vorräte. Zum Glück haben wir noch die Futterwaben des drohnenbrütigen Volkes, denn unser Volk 2 benötigt dringend Futternachschub. Trotzdem erhalten die Völker am 3. April einen Baurahmen und am 10. April den Honigraum aufgesetzt. Allerdings wird der Honigraum bei diesen kalten Temperaturen nur sehr schlecht angenommen. Aber die Völker brüten fleißig und es werden immer mehr Bienen... Ab dem 25. April wird es richtig warm! Die Bienen fliegen wie wild. Alles blüht: Apfel, Löwenzahn und in ca. 1km Entfernung auch die Rapsfelder. Jetzt werden die Honigräume von allen Völkern auch ruckzuck ausgebaut. Leider bilden 2 unserer 3 Völker auch Weiselzellen und wollen schwärmen. Wir nutzen dies und erstellen am 28. April gleich zwei Ableger. Somit haben wir nun 5 Völker! (Falls alles gut geht, neue Königinnen schlüpfen und auch erfolgreich wieder vom Hochzeitsflug zurück kommen und es dieses mal keine Räuberei gibt). Der 28. April ist ein ereignisreicher Tag. Wir testen auch unseren Sonnenwachsschmelzer erfolgreich!
Zwei neue Ableger Unsere Bienen mitten auf der Streuobstwiese
Mai 2012 Die Schwarmstimmung ist allgemein sehr groß. Zwei von unseren drei Völkern bilden nach wie vor jede Woche neue Schwarmzellen. Am 18. Mai ist es so weit: Unser Jungvolk vom letzten Jahr schwärmt. Es hat sich zum Glück den Brückentag ausgesucht und ich bin zu Hause. Mit großem Getöse fliegen Tausende von Bienen umher und entscheiden sich schließlich für die Laterne bei unseren Nachbarn um sich zu sammeln. Nach ca. einer halben Stunde sitzt die “Bienentraube” am Laternenpfahl. Wir stellen eine Leiter auf und befeuchten die Bienen mit Hilfe eines Wassersprühers. Danach fegen wir die Bienen so gut es geht in eine selbst gebaute Kiste. Wir haben Glück und haben die Königin mit eingesammelt. Nun dauert es nochmal ca. eine halbe Stunde bis alle Bienen freiwillig zur Königin in die Kiste fliegen. Abends füllen wir den Schwarm in eine neue Bienenbeute mit Mittelwänden, zwei Futterwaben und einer “Bannwabe”. Die Bannwabe ist eine Wabe mit junger Bienenbrut. Sie soll dafür sorgen, dass der Schwarm anfängt die Brut zu pflegen und die neue Behausung schneller zu akzeptieren. Im verbliebenen Restvolk brechen wir die sehr schönen Schwarmzellen bis auf eine heraus (auf dem Foto links zu sehen), damit nicht noch ein kleiner Nachschwarm das Volk weiter schwächt.
Schwarm an Laterne Schwarmzelle
Juni 2012 Es ist soweit: Wir können das erste Mal richtig Honig ernten und schleudern! Von unseren drei Wirtschaftsvölkern sind im Honigraum die Waben voll Honig und wurden von den Bienen verdeckelt (siehe Foto). Zur Sicherheit messen wir mit dem neuen Honigrefraktometer nach, ob der Wassergehalt niedrig genug ist. Er sollte nach EU-Richtlinie unter 20% liegen, nach der DIB-Richtlinie unter 18%. Wir erreichen sogar Werte um 16%, also sehr guten Honig!. Nun wird früh morgens in jedes Volk eine “Bienenflucht” eingelegt. Dies ist ein Zwischenboden unter der Honigzarge. Darin ist eine Vorrichtung integriert, die es den Bienen erlaubt den Honigraum zu verlassen, aber nicht mehr hinein zu gelangen. Nach 24 Stunden ist der gesamte Honigraum leer von Bienen und kann bequem abgehoben und transportiert werden. Wir haben unsere ganze Küche extra gesäubert und teilweise ausgeräumt. Auf der Arbeitsplatte steht nun unsere Zweiwaben- Honigschleuder, davor auf einem Hocker ein lebensmittelechter Eimer, in den der Honig hineinläuft. Leider haben wir vor lauter Arbeit versäumt davon Bilder zu machen. Zuerst werden die Honigwaben mit der Entdeckelungsgabel entdeckelt, dann in der Honigschleuder so lange geschleudert, bis der Honig so gut wie möglich aus den Waben draußen ist. Wir sind mit der Ernte sehr zufrieden. Von unseren drei Völkern ernten wir insgesamt 33,7 kg besten Blütenhonig. In dieser Frühtracht ist Nektar aus den Obstblüten der Streuobstwiese, Löwenzahnblüten, Raps und vielfältigen Wiesenblumen enthalten. Durch diese Vielfalt erhält der Honig ein sehr interessantes Aroma. Er schmeckt uns! Wenn nun der Honig frisch in Gläser abgefüllt wird, dann ist er noch einige Wochen flüssig, kristallisiert dann jedoch recht grob und fest im Glas. Viele Leute mögen genau dies. Für den anderen Teil der Honigliebhaber lagern wir den Honig in den Eimern bis er fest wird. Dann wird er mit einem speziellen Rührer gerührt, so dass Creme-Honig entsteht. Ansonsten: Volk 2 hat sich nach dem Schwarmabgang wieder eine Königin gezogen und ihre Majestät war auf Hochzeitsflug und hat begonnen Eier zu legen. Am 7. Juni haben wir die Königin zufällig entdeckt und mit einem gelben Plättchen gezeichnet (siehe Foto rechts). Der Schwarm hat eine Zarge mit Mittelwänden ausgebaut und auch begonnen Eier zu legen. Ein Ableger von Volk 2 ist leider nichts geworden. Die Königin ist wohl nicht vom Hochzeitsflug zurückgekehrt. Dafür geht es dem Ableger von Volk 3 gut und die neue Königin hat auch begonnen Eier zu legen. Auch diese Königin haben wir am 7. Juni gefunden und gelb gekennzeichnet. In Volk 3 finden wir keine neuen Stifte. Haben wir versehentlich die Königin beschädigt, oder gibt es dafür sonstige Gründe? Vorsichtshalber hängen wir eine Wabe aus einem anderen Volk mit jüngster Brut als Weiselprobe hinein.
Eine fast fertig verdeckelte Honigwabe Frisch abgefüllt: 500g, 250g und Probiergläschen Aichtal-Gold frisch abgefüllt Frisch gekennzeichnete Königin
Juli 2012 Es ist ruhiger. Die Schwarmzeit ist vorbei, denn die Bienen erkennen: Wenn wir jetzt noch schwärmen, dann schaffen wir es nicht mehr genügend Nektarvorräte für den Winter zu sammeln. Leider gibt es jetzt keine Massentracht mehr (wie z.B. Obstblüte oder Raps), somit finden die Bienen immer weniger. Zudem ist das Wetter auch noch schlecht. Deshalb zehren die Bienen auch von ihren Vorräten. Die Blüte der Lindenbäume an den Straßen in Aich waren die letzte große Tracht. Der Honig aus der ersten Schleuderung kristallisiert teilweise und wir rühren in schön cremig. Es gibt jetzt also zwei Honigarten im Angebot: Noch flüssiger Blütenhonig und Cremehonig. In beiden Honigen sind natürlich die gleichen Inhalte. Der einzige Unterschied ist die Konsistenz. Am 21. Juli können wir dann zum zweiten mal in dieser Saison schleudern! Es gibt wieder Honig von allen drei Wirtschaftsvölkern. Diesmal haben wir auch nicht vergessen Bilder zu schießen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 32,7 kg besten Blütenhonig mit Anteilen von Lindenblüte, vielen Wiesenblumen und den Blüten der Gärten rings herum. Wie das funktioniert, haben wir ja bereits im Juni beschrieben. Hier noch die Bilder dazu.
Felix beim Befüllen der Schleuder Unsere kleine Zweiwabenschleuder von oben Der Honig fließt durch das Doppelsieb in den Eimer Entdeckelung der Honigwaben mit der Entdeckelungsgabel Eine fast perfekt verdeckelte Honigwabe Bienenflucht
August 2012 Nach der letzten Honigernte wird es Zeit die “Wabenhygiene” anzugehen. Dies bedeutet: die unterste Zarge eines dreizargigen Bienenvolkes kommt weg. Die Waben sind drei Jahre alt und werden im Sonnenwachsschmelzer eingeschmolzen. Die mittlere Zarge wird nach unten gesetzt. Als oberen Brutraum erhalten die Bienen ihren jetzt ja leer geschleuderten Honigraum. Diese Waben wurden im aktuellen Jahr von ihnen neu gebaut. Das Prinzip ist im Schema-Bild links zu sehen. Die auf den alten Waben sitzenden Bienen werden in die obere Zarge abgeschüttelt / abgefegt. Die dritte Zarge ist ja nun leer, wird aber wieder oben aufgesetzt. Es folgt die wichtige Behandlung gegen die Varroamilbe mit Ameisensäure (AS). Die AS wird in eine Tropfflasche gefüllt, tropft langsam auf einen Papierdocht über den Bienen und verdunstet dort. Sicher keine angenehme Behandlung für die Bienen, aber leider nötig, denn ohne Behandlung gegen die Varroamilbe sterben alle Bienen spätestens am Ende der nächsten Saison. Die AS ist eine natürliche Säure, die sich nach einigen Wochen wieder abgebaut hat und in einigen Lebensmitteln auch natürlich vorkommt. Dann ist endlich Sommer! Temperaturen bis 35 Grad im Schatten. Viele Bienen lüften sich ausserhalb ihrer Beute (siehe Bild).
Bienen bei großer Hitze
September 2012 Nach der ersten Ameisensäure (AS)-Behandlung erhalten die Bienenvölker Zuckerwasser als Futter für den Winter. Dieses Jahr müssen wir nicht so viel füttern, denn unsere Bienen finden noch viel Nektar im indischen Springkraut, welches einige hundert Meter weiter im Wald üppig blüht. Nach der Auffütterung erfolgt die zweite AS-Behandlung gegen die Varroa-Milben. Dieses Jahr sind wir mit allem früh genug dran und der Wettergott ist uns hold. Deshalb wirken die Varroabehandlungen gut und alle Völker sind so gut wie milbenfrei. Nun wird nochmal nachgewogen, ob alle Völker genug Futter für den Winter haben. Bei einem Jungvolk müssen wir nochmal 2 kg Futter geben, ansonsten passt alles. Ende September kommen jetzt noch die Mäusegitter vor die Fluglöcher und somit sind jetzt alle Bienenvölker gut auf den Winter vorbereitet.
AS in der Tropfflasche
Oktober 2012: Wir expandieren! Wir expandieren! Für einige Arbeitsschritte in der Imkerei ist es sinnvoll, einen zweiten Standplatz zu haben. Dieser sollte mindestens ca. 3 km vom ersten Standplatz entfernt sein. Seit der erfolgreichen Saison 2012 machen wir uns Gedanken, ob wir expandieren sollen. Doch woher ein geeignetes Grundstück bekommen? Die Aichtaler Streuobstwiesenbörse macht es möglich! Einfach genial! Hier können sich Besitzer von Streuobstwiesen melden, die ihre Wiese nicht mehr bewirtschaften wollen oder können. Sie können die Wiesen zur Verpachtung oder zum Verkauf zur Verfügung stellen. Ebenso können sich Leute melden, die eine Wiese pachten oder kaufen möchten. Bereits zwei Tage nach unserer Interessenbekundung bekommen wir Angebote. Das erste Angebot wäre perfekt, aber leider zu nah am ersten Standort. Aber bereits das zweite Angebot ist ein Volltreffer! Eine Streuobstwiese in Neckartailfingen nahe der Lutherlinde. Ein Teil unserer Bienen werden ab nächstem Jahr von dort einen traumhaften Ausblick ins Neckartal und auf die Schwäbische Alb haben. Aber bekanntlich haben die Götter vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. Wir müssen ab sofort die Streuobstwiese bewirtschaften. Bis jetzt macht dies großen Spaß! Momentan sind wir mitten in der Apfel- und Walnussernte. Zu Aichtalgold kommt ab nächstem Jahr also noch Neckargold hinzu! Als nächstes müssen wir ein paar Paletten besorgen, den Standplatz dafür einebnen, bzw. die Paletten auf Steinen eben aufstellen. Dann können wir im nächsten Frühjahr die ersten Bienenvölker bzw. Ableger darauf stellen. Bei unseren Bienen am ersten Standplatz ist jetzt im Oktober nichts mehr zu tun. Einmal noch die Varroaschieber einschieben, um nach drei Tagen zu kontrollieren, ob noch alles in Ordnung ist.
November 2012: In diesem Monat ist bis jetzt nichts an den Bienen zu tun, evtl. kommt noch Ende November die Winterbehandlung der Bienen gegen die Varroamilben mit Oxalsäure. Auf unserer neuen Streuobstwiese sind wir mit der Ernte fertig. Jetzt müssen wir dort noch aufräumen und die Bäume schneiden. Aber es ist mal wieder Zeit für einen Kinobesuch. Im Delphi in Stuttgart läuft seit 8. November der Film MORE THAN HONEY”. Hier die offizielle Webseite dazu: http://www.morethanhoney.senator.de/  Am 10. November waren wir im Kino. Hier meine persönliche und subjektive Filmkritik: Es ist ein Film mit tollen Aufnahmen aus dem Inneren des Bienenstockes. Allein schon deshalb ist ein Kinobesuch empfehlenswert!  Der Film befasst sich mit dem Thema des Bienensterbens und der Problematik der Varroamilbe. Er zeigt die Extreme der Bienenhaltung, vernachlässigt jedoch die Darstellung der normalen Hobby-Imkerei, wie sie bei uns betrieben wird. Dies ist gefährlich, da der Laie so schnell ein falsches Bild der Imkerei in Europa bekommt. Die Story des Films überzeugte mich nicht wirklich, es ist eine Verflechtung oberflächlich dargestellter Handlungsstränge: Die überflüssige Familiengeschichte des Regiseurs Markus Imhoof über die Marmeladenfabrik seines Großvaters lenkt vom Rest des Films eigentlich nur ab. Die idyllische Bergwelt des Schweizer Bergimkers Fred Jaggi, der mit alten Methoden imkert und versucht seine Bergbienen möglichst reinrassig zu halten. Der Schuss geht natürlich nach hinten los und er erkauft sich diese Reinrassigkeit mit der Anfälligkeit der Bienen gegen Krankheiten. (Deshalb erfreu ich mich auch an meiner “Landrasse” und über den ein oder anderen gelben Kringel am Körper meiner Bienen.) John Miller ist ein hochindustrialiserter Bestäubungs- und Massen-Imker mit 15.000 Bienenvölkern in Amerika. Nach seinen eigenen Worten schließt er einen Pakt mit dem Teufel und sein Großvater hätte wohl kein Verständnis für seine heutige “Bienenhaltung”. Nicht nur sein Großvater, sondern auch ich habe keinerlei Verständnis für seinen Kapitalismus ohne jegliche Moral und ohne Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinen Bienen. Ein Wunder, dass trotz dieser Behandlung noch viele dieser geschundenen Kreaturen überleben. Ich kann hier gar nicht sagen, was ich ihm alles wünsche... und trotzdem sind auch hier die Bilder dieses Films beeindruckend. Den Honig von John Miller möchte ich unter keinen Umständen essen - für mich enthält er zu viele Chemikalien und Medikamente. Als eventuelle Lösung gegen die Varroamilbe wird der amerikanische Imker Fred Terry präsentiert, der mit der sehr agressiven afrikanisierten Biene imkert. Diese Bienen können die Milbe selbst und ohne Hilfe des Menschen bekämpfen. Dies kann meiner Meinung nach vielleicht am Rand der Wüste von Arizona funktionieren, jedoch nicht im dicht besiedelten Europa. Alle Menschen und Tiere, die sich mehr als 200 m den Bienen nähern,  werden von diesen Bienen gnadenlos verfolgt, gestochen und evtl. sogar getötet. Ein Umstand, der im Film verharmlost wird. Fred Terry braucht immer und überall einen sehr guten Schutzanzug. Der Film greift die Problematik des weltweiten Bienensterbens auf, bleibt hier aber sehr oberflächlich und erspart sich Kritik an großen Chemiekonzernen, Pestizid- und Gen-Saatgutherstellern und politischer Förderung von Monokultur-Landwirtschaft. Vielleicht wollte Herr Imhoof nicht anecken und eine Chance bekommen, seinen Film einem großen Publikum im Kino zeigen zu dürfen? Alles in allem trotzdem ein sehenswerter Film mit tollen Aufnahmen, der einen Einblick in das Leben der Bienen gibt.
Dezember 2012: Viel ist nicht mehr zu tun. Noch einmal die Oxalsäurebehandlung gegen die Varroamilbe, so dass die Bienen mit möglichst wenig Milbenbelastung im Frühjahr starten. Mit einer Spritze verteilen wir die 3,5 %ige Oxalsäurelösung in den Wabengassen. Die Völker sitzen sehr unterschiedlich in den Zargen. Manche unten, manche oben, manche mittig. Wir wünschen allen Verwandten, Freunden und Bekannten eine schöne Adventszeit, ein Frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
09.12.2012 OS-Behandlung