Blog-Archiv 2011
Januar 2011
Genügend bedrahtete Rähmchen für die beiden Beuten sind fertig!
Nun befassen wir uns mit dem Thema Mittelwände. Um unseren zukünftigen Bienen einen möglichst guten Start zu
ermöglichen und möglichst unbelasteten Honig ernten zu können, entschließen wir uns die teureren Bio-Mittelwände in
der pestizidfreien Variante zu beschaffen.
Das Einlöten mit dem Netzteil eines Laptops funktioniert hervorragend.
So, und nun waren wir beim “Einführungstag Bienen halten” an der Uni Hohenheim.
Vortragende waren Dr. Gerhard Liebig und Dr. Pia Aumeier. Alle Tätigkeiten rund um die Bienenhaltung wurden sehr
kompetent erklärt. Dank des lockeren Umgangs der beiden miteinander war der Tag sehr kurzweilig.
Nun habe ich uns auch zum Anfängerkurs angemeldet. Der erste praktische Termin ist am 05. März 2011.
Februar 2011
Felix hat für seine Gruppe des Seminarkurses einen Termin bei der Bioland-Imkerei Schilling in Bietigheim vereinbart. Herr
Schilling soll interviewt werden. Ich “opfere” mich doch gern als Fahrdienst.
Das Interview war wirklich toll! Herr Schilling ist ein beeindruckender Mensch. Man merkt an ihm, dass er mit jeder Faser
seines Körpers an den Bienen und seinem Beruf hängt. Nur ein Imker, der mit Herz und Seele bei der Sache ist, wird
auch als Berufsimker langfristig Erfolg haben. Herr Schilling hat bereits im Alter von 3-4 Jahren seinem Vater bei der
Imkerei geholfen. Nun ist er selbst seit über 20 Jahren Berufsimker. Er hat ca. 130 Völker, zeitweise durch Ableger dann
über 200. Er wandert mit seinen Völkern z. B. auch in die Heide und den Schwarzwald.
Als Bioland-Imker wird sein Honig ständig kontrolliert. Wer in Zukunft also nicht bei uns Honig kauft, für den ist die Bio-
Imkerei Schilling in Bietigheim eine sehr gute und sympathische Adresse!
Das angebotene Grundstück hat sich leider doch nicht als ideal erwiesen - trotzdem vielen Dank dafür.
Deshalb haben wir uns jetzt an den Koordinator der Aichtaler Streuobstwiesenbörse (Herrn Härer) gewandt. Er hat uns
sofort angeboten, unser Anliegen im nächsten Amtsblatt bei den Grünen auszuschreiben. Außerdem nannte er uns noch
einen Bekannten, der uns eventuell auch weiterhelfen könnte. Auch dieser war am Telefon sehr freundlich und hilfsbereit,
hatte auch gleich eine Idee, die er jedoch erstmal noch prüfen muss.
Auf das Inserat haben sich mehrere Leute gemeldet! Eine der angebotenen Obstwiesen ist sogar direkt in unserer Nähe!
Bevor wir jetzt wieder laut Hurra schreien, müssen wir die Wiese jedoch noch besichtigen und einen guten Stellplatz für die
Bienen mit dem Wiesenbesitzer abstimmen.
Auch der Bekannte von Herrn Härer hat sich gemeldet und hätte mehrere Wiesen in Neuenhaus und vielleicht auch in
Aich.
Jetzt haben wir mehr Wiesen zur Auswahl als Bienenvölker!!
Vielen, vielen Dank an alle!!!
Hurraaaa! Wir haben die Obstwiese besichtigt und einen sehr guten Stellplatz unter einem alten Baum gefunden!
Vielen Dank an Familie Weiler!
Jetzt kann unser erstes Bienenvolk kommen.
März 2011
Endlich! Der erste Termin vom praktischen Teil des Bienenkurses findet am 05. März in Plieningen statt.
Dr. Liebig führt uns die “Frühjahrsnachschau” vor (Kontrolle, ob die Völker noch leben, stark genug sind und noch
genügend Futter haben). Ein schwaches Bienenvolk wird über ein Absperrgitter dem stärksten Bienenvolk aufgesetzt. So
erhält das schwache Volk Unterstützung durch die Arbeiterinnen des starken Volkes und durch das Absperrgitter können
die Königinnen nicht hindurch und sich somit auch nicht bekämpfen.
Nach dem Kurs bietet sich die Gelegenheit Imkereizubehör zu kaufen. Wir erwerben eine dritte Beute, Stockmeißel,
Bienenbesen und Schutzschleier.
Ziemlich direkt nach dem Bienenkurs fahren wir dann ab in den Skiurlaub ins schöne Montafon nach Österreich. Eine
Woche herrliches Wetter und noch guten Schnee. Super!
Auf den uns zur Verfügung gestellten Platz bringen wir eine Palette, um dort unser erstes Bienenvolk darauf stellen zu
können. Aber es dauert noch mindestens bis Anfang April, bis wir das Volk bekommen ....
April 2011
Es ist soweit: beim zweiten Termin des Bienenkurses am 09. April bekommen wir unser Wirtschaftsvolk. Eigentlich viel zu
spät, denn seit zwei Wochen blühen schon Kirschen und viele andere Pflanzen. Als Transportmittel bringen wir mit: den
Beute-Boden, eine Zarge, den Deckel, eine Folie zwischen Zarge und Deckel, einen Schaumstoffstreifen zum
Verschließen des Flugloches und einen Spanngurt, um das alles für den Transport im Auto bienendicht zusammen zu
halten.
Im Kurs wird behandelt: Erweiterung der Völker, Einsatz und Zweck des Baurahmens, Erweiterung um den Honigraum,
Schwarmkontrolle.
Nach dem Kurs werden nun die Wirtschaftsvölker Rähmchen für Rähmchen von der Zarge des abgebenden Imkers in
unsere Zarge umgesetzt. Zur Sicherheit wird nach der Königin, Brut und Schwarmzellen geschaut. Zusätzlich gibt es ein
Gesundheitszeugnis für die Bienen.
Mit der summenden Kiste im Auto fahren wir nun nach Aich und stellen gemeinsam die Bienen auf den vorbereiteten
Stellplatz. Vorsichtig öffnen wir das Flugloch ein paar Zentimeter und die ersten Bienen schauen sich etwas verstört und
vorsichtig um. Langsam werden es immer mehr Bienen, die einen Ausflug in die neue Gegend wagen.
Abends setzen wir die erste Erweiterungszarge auf, damit unsere Bienen genügend Platz für ihr Brutnest haben.
Es dauert ca. eine Woche bis die Bienen beginnen, das erste Rähmchen der Erweiterungszarge auszubauen. Unser
Bienenvolk ist relativ schwach. Im unteren Brutraum befinden sich auch noch drei Waben mit Winterfutter. Wir entfernen
eine davon und ersetzen sie durch ein Rähmchen mit Mittelwand.
Ende April ist der obere Brutraum gut angenommen und die Mittelwände werden ausgebaut. Die Königin legt Eier in die
ausgebauten Waben.
Mai 2011
Der obere Brutraum ist inzwischen gut ausgebaut und beherbergt ein großes Brutnest mit verdeckelter Brut. Bei unseren
wöchentlichen “Schwarmkontrollen” entdecken wir einige Spielnäpfchen, die jedoch keine Eier enthalten. Weil unser Volk
relativ schwach war, besteht jetzt weniger die Gefahr, dass es schwärmen will.
Am 30. April haben wir den Honigraum aufgesetzt. Bis jetzt (10. Mai) wird er jedoch nicht ausgebaut und benutzt. In einige
Waben des oberen Brutraumes wurde ein Streifen Nektar eingetragen. Das brauchen die Bienen jedoch zur Fütterung ihrer
Brut. Somit sieht es bis jetzt relativ schlecht mit einer Honigernte aus. Stärkere Völker haben um diese Zeit bereits einen bis
zwei Honigräume mit Nektar gefüllt und teilweise schon verdeckelt.
Ebenfalls am 30. April haben wir einen sogen. Baurahmen eingesetzt. Das ist ein leeres Rähmchen (ohne Drähte und
Mittelwand). Dieser Rahmen wird von den Bienen mit Drohnenzellen ausgebaut und dient zwei Zwecken: Die Bienen
können frei bauen, dies reduziert den Schwarmtrieb. In Drohnenzellen nisten sich Varroa-Milben bevorzugt ein. Wenn die
Drohnenzellen im Baurahmen verdeckelt sind, wird die komplette Wabe herausgenommen und wieder durch einen leeren
Rahmen ersetzt. Das vierte Bild zeigt den Ausbau des Baurahmens am 06. Mai. Am 28. Mai haben wir einen Ableger
unseres Volkes erstellt. Einfach zwei Brutwaben in eine neue Beute gesetzt, noch eine Futterwabe und leere Rähmchen
dazu. Jetzt sollen sich die Bienen aus jungen Larven eine neue Königin ziehen. Wenn das gelungen ist, muss die neue
Königin noch auf Hochzeitsflug gehen und auch wieder begattet zurückkommen. Dann kann sich der Ableger wieder als
neues Bienenvolk weiter entwickeln. Schaun wir mal, es bleibt spannend.
Juni 2011
Nach einer Woche den Ableger kontrolliert. Es sind einige Nachschaffungszellen gebildet und einige davon auch schon
verdeckelt. Wir haben den Standplatz um eine weitere Palette erweitert, dazwischen noch eine kleinere Palette um
Material und Zargen bei den Kontrollen gut ablegen zu können.
In unserem Ableger (Volk 1.1) sind die Weiselzellen seitlich ausgefressen. D.h. dass eine Königin geschlüpft ist und ihre
Konkurrentinnen ermordet hat.
Am 20. Juni haben wir am Bieneninstitut von Hohenheim ein Jungvolk (Ableger) auf zwei Waben abgeholt (Volk 2). Die
Königin im Jungvolk ist bereits begattet und legt Eier.
Somit haben wir nun drei Bienenvölker. Die beiden Ableger müssen nun stetig gefüttert werden, damit sie die Mittelwände
in den Zargen bis zum Spätsommer noch ausbauen können und zu einer überwinterungsfähigen Volksgröße
heranwachsen können.
Unser Wirtschaftsvolk ist jetzt inzwischen zwar so groß, dass es nun schwärmen will, hat aber mit seiner Entwicklung die
guten Nahrungsangebote (Trachten) verpasst. Somit gibt es dieses Jahr wohl keinen Honig.
Juli 2011
02. Juli: Unser Wirtschaftsvolk (Volk 1) hat nun die Schwarmversuche wohl aufgegeben. Zumindest sind keine
Schwarmzellen mehr zu finden. So langsam kommt doch ein bisschen Honig in den Honigraum.
Wir schätzen so ca. 6 kg. Vielleicht gibt es ja doch noch eine kleine exklusive Ernte dieses Jahr?
Wir schauen zum ersten mal unseren Ableger (Volk 1.1) durch. Die Königin ist wohl erfolgreich vom Hochzeitsflug zurück
gekehrt. Es gibt verdeckelte Brut auf zwei Waben, Eier und Larven in jedem Stadium.
Wir füttern Volk 1.1 und Volk 2 weiter mit Zuckerwasser. Nicht zu viel (sonst wird alles in die Waben eingelagert und die
Königin hat keinen Platz mehr um Eier zu legen) und nicht zu wenig, damit die Bienen ständig was zu tun haben und
fleißig die Mittelwände ausbauen.
25.Juli: Es ist passiert. Unser Jungvolk (Volk 2) wird von anderen Bienen überfallen und ausgeräubert, obwohl das
Flugloch nur ca. 1 cm breit geöffnet ist. Sabine entdeckt die Räuberei und schließt todesmutig das Flugloch der Beute.
Trotzdem gibt es schon hunderte von toten Bienen. Wir transportieren Volk 2 vom Standplatz in unseren Garten.
Vorsichtig öffnen wir am nächsten Morgen einen kleinen Flugschlitz. Zunächst geht auch alles gut, aber dann haben die
feindlichen Bienen die Beute wieder gefunden. Also Flugloch wieder zu.
In die Beute stellen wir Futter und Wasser. Drei Tage bleibt das Flugloch zu. Außerdem bastle ich ein “Räubergitter” (siehe
Bilder). Das Räubergitter bewirkt, dass die Bienen vom Flugloch aus zunächst nach oben klettern müssen und dort den
Ausgang finden, sich merken und auch so wieder zurückfinden. Die fremden Räuber gehen nach dem Geruch und
probieren es immer nur unten am Flugschlitz und kommen so aber nicht durch das Gitter.
Als wir nach drei Tagen den Flugschlitz wieder öffnen, fliegen sich die Bienen vorsichtig ein und erholen sich langsam. Bis
jetzt ist es zu keiner weiteren Räuberei gekommen. Schauen wir mal, ob sich das Volk noch erholt und stark genug zum
Überwintern wird.
August 2011
Unser ausgeräubertes Volk 2 erholt sich langsam.
Die anderen zwei Völker verhalten sich normal. Es gibt sehr viele Wespen, die ab und zu versuchen in den Bienenstock
zu gelangen. Meist erfolglos. Falls doch, werden sie von den Bienen wieder vertrieben.
In unserem Garten blühen für die Bienen interessante Pflanzen (siehe Bilder).
Obwohl es sich eigentlich nicht mehr lohnt, schleudern wir den Honigraum aus. Es gibt doch ganze drei Honiggläser voll.
Genauer: wir ernten 1,7 kg Honig. Unser Honig macht seinem Namen alle Ehre. Es ist wohl eine Mischung aus
Blütenhonig mit etwas Waldhonig dabei und glänzt wie Gold.
Da im Bienenvolk nun wirklich kein Honig mehr drin ist, bekommen die Bienen 5 kg Zuckerlösung im Verhältnis 3:2.
Einige Tage danach beginnen wir in diesem Volk die Behandlung gegen die Varroa-Milben. Mit dem Liebig-Dispenser
verdunsten über vier Tage 100 ml Ameisensäure im Bienenstock und es fällt eine geringe Menge Milben von den Bienen
herunter. Unsere Bienen waren also relativ wenig von der Milbe befallen. Trotzdem ist die Behandlung wichtig, damit die
wichtigen Winterbienen gesund heranwachsen können.
Ameisensäure ist eine organische Säure und auch ein natürlicher Bestandteil von Honig. Trotzdem darf die Behandlung
nur nach der Honigernte durchgeführt werden. Bis zum Frühjahr hat sich die Ameisensäurekonzentration dann auf jeden
Fall wieder auf den natürlichen Wert abgebaut.
September 2011
Alle drei Völker werden “aufgefüttert”. D.h. sie bekommen genügend Zuckerwasser, damit sie durch den Winter kommen.
Volk 1 wird auf zwei Zargen überwintert und bekommt 22 kg Zucker. Die zwei Jungvölker werden auf je einer Zarge
überwintert und bekommen je 15 kg Zucker.
Nach der Auffütterung wird Volk 1 nochmals mit Ameisensäure gegen Varroa behandelt. Für die beiden Jungvölker ist das
die erste Behandlung. Und jetzt ist Milbenzählen angesagt. Fast jeden Tag zählen wir die heruntergefallenen toten
Varroamilben. Ca. zwei Wochen nach Behandlungsende sollten keine Milben mehr fallen. Bei den Jungvölkern schlägt die
Behandlung auch sehr gut an. Sorgen macht uns Volk 1. Bei ihm stellten wir bereits nach der ersten Behandlung noch
einen relativ starken Milbenfall fest. Nach der zweiten Behandlung geht der Wert nicht auf 0 zurück (dunkelgrüne Kurve).
Oktober 2011
Auf Empfehlung von Dr. Liebig behandeln wir Volk 1 nochmal mit Ameisensäure. Da es bereits kälter ist, stellen wir eine
Grableuchte mit in die Leerzarge, in der sich auch der Liebig-Dispenser mit der Säure befindet.
Nach dieser Behandlung werden nun alle Völker winterfest gemacht, d.h. es kommt ein Mäusegitter vor das Flugloch. Die
enge Maschenweite verhindert, dass Mäuse sich im Winter in der Beute einnisten können.
Das war dann auch schon alles. So bleiben die Bienen den ganzen Winter über stehen. Im November/Dezember wird
dann nochmals eine Restentmilbung mit Oxalsäure durchgeführt.
So langsam können wir uns also schon wieder Gedanken um neue Beuten, Rähmchen, Mittelwände, etc. machen, denn
Ableger gibt es ja auch wieder im nächsten Jahr :-)
Apropos Gedanken machen .... nachdem wir mit unseren Bienen schon einen großen Schritt in Richtung Natur gegangen
sind, haben wir auch den Stromanbieter gewechselt: wir sind jetzt beim Ökostromanbieter EWS (siehe auch auf unserer
“Links-Seite”)
November 2011
Nichts Neues, nichts zu tun. Die Bienen “kuscheln” sich in ihrer Wintertraube zusammen und erzeugen ihre eigene
Wärme.
Dezember 2011
Da laut Wetterbericht Sturm angesagt ist, legen wir auf die Beuten und die leeren Paletten an unserem Standplatz jeweils
eine Waschbeton-Platte. Ob es nötig war wissen wir nicht. Zum Glück ist nichts passiert.
Jetzt warten wir auf die richtigen Temperaturen zur “Restentmilbung”. Es sollte so um 0 Grad herum sein, besser etwas
kälter als zu warm. Die Bienen müssen nämlich möglichst eng in ihrer Wintertraube sitzen. Dann wird das 3,5%ige
Oxalsäure / Zuckergemisch auf sie geträufelt. Die von der Flüssigkeit getroffenen Bienen kommen sofort in das Innere der
Bienentraube um gewärmt zu werden. So verteilt sich die Oxalsäure sehr gut. Die Bienen überstehen dies unbeschadet,
es werden jedoch 95% der Varroa-Milben getötet. Diese fallen in den nächsten 4-5 Wochen herunter.
Am 18.12. war es dann endlich soweit. Bei +1 Grad träufeln wir mit einer Spritze ca. 50 ml Flüssigkeit auf die drei
Bienenvölker. Dabei sehen wir, dass es unseren Bienen ganz gut geht. Sie sitzen in der Wintertraube auf 6-7
Wabengassen. Trotzdem ist es noch lange bis zum Frühjahr und noch können Völker durch verschiedene Ursachen
sterben.
Wichtig war, dass die Restentmilbung noch im Dezember durchgeführt wurde. So ist auf jeden Fall gewährleistet, dass bis
zum Beginn des Nektar-Sammelns die Rückstände vollständig abgebaut sind (Obwohl Oxalsäure auch als natürlicher
Bestandteil in vielen Lebensmitteln und auch im Honig enthalten ist).